Google hat es wieder mal geschafft: Alle reden über Chrome OS, und das, obwohl es gerade mal
angekündigt wurde (und das Licht der Welt nicht vor Mitte 2010, also in einem Jahr, erblicken wird): Was beschehrt uns Google da jetzt wieder grandios Neues?
Zunächst mal ist Chrome OS im Kern ein Linux. Das ist nicht überraschend, schließlich gibt es im Moment gerade mal drei Hauptstränge bei der OS-Entwicklung: BSD-Unix inklusve der Abkömmlinge Solaris und (Mac) OS X, Windows NT und dessen Nachfolger, und eben Linux -- und in der Vergangenheit hat Google eine gewisse Affinität zu Linux bewiesen. Ernsthafte Neuigkeiten waren da ja schon aufgrund des Entwicklungsaufwands für ein komplettes OS nicht zu erwarten.
Was Chrome OS uns also voraussichtlich bringen wird, ist eine Art Linux-Distribution mit einer neuen Oberfläche. Auch die Oberfläche wird voraussichtlich auf etablierten Systemen aufsetzen.
Technologisch wird es also möglicherweise hinreichend unterschiedlich von bekannten Linux-Distributionen sein, um das bloße Übertragen von Paketen zu verhindern, aber andererseits auch nicht wirklich neu. Vielmehr halte ich es für einen ähnlichen Ansatz wie Apples iPhone: Auf der Basis von etablierter Technologie wird ein neuer Ansatz der Nutzung forciert, bei dem die Nutzer die lokale Gewalt über ihre Daten zugunsten eines ausgelagerten Managements aufgeben.
Und das könnte durchaus interessant werden: Die Debatte um Datenschutz und Unabhängigkeit vs. Nutzerbequemlichkeit ist wiedermal eröffnet. Dabei ist der Ausgang absehbar: Ich behaupte, die Mehrzahl der IT-Nutzer ist nicht an IT selbst interessiert, und würde den täglichen Kampf gegen Spams und die Jagd nach Updates und Patches lieber heute als morgen ad acta legen.
Vielleicht ist Chrome OS ja die Möglichkeit für die Entwickler der etablierten Systeme, sich von der oftmals selbstherrlich mißverstandenen Losung "educate your user" loszusagen, die Komplexität für den Anwender zu reduzieren und IT endlich wieder als Werkzeug und nicht als Selbstzweck zu begreifen. Alternativ werden sie über kurz oder lang alle Nutzer verlieren, die einfach nur tägliche Aufgaben erledigen wollen -- und das sollte die Mehrheit der Nutzer sein.
Und das wäre wirklich mal etwas Neues.