Freitag, 17. Juli 2009

Max ist tot

Kent Beck hat gerade JUnit MAX beerdigt: Das TDD-Tool für Eclipse wird vorerst nicht weiterentwickelt, sondern aktiv "abgemanaged".

Was für Becks Three Rivers Institute ärgerlich ist, ist für Eclipse-Benutzer traurig, weil ein nützliches Tool aus dem Arsenal von Java-Entwicklern verschwindet. Allerdings versorgt uns MAX auch auf dem Totenbett noch mit wertvollen Lektionen zum Lernen:
  1. Auch gute Ideen brauchen Werbung.
  2. Nutzerbasis ist wichtiger als Marge.
  3. Paid Beta ist ein sicherer Weg in den Untergang.
JUnit MAX hat praktisch jede Gelegenheit vermieden, in Entwicklerkreisen bekannt zu werden. Einzig Kent Becks Blog- und Twitter-Leser sind gelegentlich auf MAX gestoßen (wie in den Kommentaren zum Blog zu lesen ist). Die initiale Nutzerbasis war also begrenzt. Ganz offensichtlich hat Kent Becks guter Name und die spärlichen Informationen über sein Produkt allein nicht gereicht, im Info-Meer sichtbar zu werden. Aktives Marketing wäre also unbedingt notwendig gewesen.

Der Versuch, MAX frühzeitig über ein Subscription-Modell zu finanzieren, hat das Wachstumspotential von vornherein beschränkt. Als folglich die Anzahl der neuen Subscriptions zurückging, wurde versucht, das finanzielle Loch über höhere Preise pro Subscription zu stopfen, was vorhersehbar neue Subscriptions weiter reduzierte. Die Schlußfolgerung ist eigentlich zu trivial, um sie wiederzukauen, aber trotzdem: Die Breite der Nutzerbasis ist umgekehrt proportional zu den Kosten für den Nutzer.

Letztlich ist aber die Idee der Paid Beta der verdiente Todesstoß für jeden neuen Dienst im Netz. Unabhängig von der "Innovationshöhe" eines Dienstes dient der Beta-Test in erster Linie dem Anbieter des Dienstes, Nutzer des Dienstes müssen i.d.R. mit willkürlichen Einschränkungen des Dienstes leben. Für das Testen eines Produktes werden Tester daher traditionell bezahlt. Die Umkehrung dieser Situation ist wohl glücklicherweise genügend potentiellen Kunden aufgefallen, bevor aus MAX ein Verbraucher-Präzendenzfall werden konnte.

Zum Schluß wünsche ich Kent Beck natürlich, doch noch irgendwie einen Erfolg aus MAX zu machen. Möglichst auch einen finanzellen Erfolg.

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